Kurz beantwortet
Den Regenertrag rechnest du mit Dachfläche in m² × Niederschlag in mm × Abflussbeiwert. Bei 100 m² Ziegeldach, den DWD-Mittelwerten von rund 791 mm und einem Beiwert von 0,8 sind das rund 63.000 Liter im Jahr. Die Zisternengröße richtet sich nach dem Bedarf in der Trockenphase, bei Gartenbewässerung meist nach dem Wochenverbrauch mal zwei bis drei Wochen.
Eine Zisterne ist der einfachste Weg, im Sommer an kostenloses Gießwasser zu kommen. Wie groß sie sein muss, ist aber keine Bauchentscheidung. Zu klein, und sie ist nach zwei Gießtagen leer. Zu groß, und du hast Geld im Boden vergraben, das sich nie auszahlt. Hier rechnest du die Größe mit einer einfachen Formel selbst aus und erfährst, was du bei Dach, Zulauf, Überlauf und Pumpe beachten musst.
Wie viel Regenwasser liefert dein Dach?
Der Jahresertrag ergibt sich aus drei Faktoren:
Dachfläche (m²) × Niederschlag (mm) × Abflussbeiwert = Ertrag in Litern pro Jahr
Der Trick dahinter: 1 mm Niederschlag entspricht 1 Liter pro Quadratmeter. Die Dachfläche ist die Fläche, die der Regen von oben trifft, also die Grundrissprojektion, nicht die geneigte Dachfläche. Der Abflussbeiwert berücksichtigt, dass nicht jeder Tropfen in der Rinne landet: Wasser verdunstet, bleibt am Material hängen oder läuft über. Je rauer und durchlässiger das Dach, desto kleiner ist der Wert.
Niederschlag: Welchen Wert nimmst du?
Nach den Gebietsmitteln des Deutschen Wetterdienstes (DWD) fielen in Deutschland im Mittel der aktuellen 30-jährigen Klimanormalperiode rund 791 mm Niederschlag pro Jahr. Regional ist die Spanne groß: Aus denselben DWD-Daten ergeben sich für Sachsen-Anhalt rund 570 mm und für Baden-Württemberg rund 950 mm. Nimm für die Planung den Wert deiner Region, nicht den Bundesschnitt. Die Daten stehen als Open Data beim DWD, dein Ort kann zusätzlich vom Landesmittel abweichen.
Abflussbeiwert: Was setzt du an?
Für ein begrüntes Dach nennt BauNetz Wissen unter Verweis auf die FLL einen Abflussbeiwert von 0,3 bei 10 bis 15 cm Aufbau. Für ein normales Schrägdach mit Ziegeln oder Betondachsteinen liegt der Wert deutlich höher, als Rechenannahme in diesem Artikel setzen wir 0,8 an. Die verbindlichen Werte für dein Dach nennt dir Fachplaner oder Hersteller, sie stehen in den Regelwerken zur Regenwassernutzung.
Rechenbeispiel: Ertrag und Bedarf
| Dach | Fläche | Niederschlag | Abflussbeiwert | Jahresertrag |
|---|---|---|---|---|
| Wohnhaus, Ziegel | 100 m² | 791 mm | 0,8 (Annahme) | 63.280 l |
| Garage oder Gartenhaus | 20 m² | 791 mm | 0,8 (Annahme) | 12.656 l |
| Begrüntes Dach | 100 m² | 791 mm | 0,3 | 23.730 l |
Ein Wolkenbruch mit 10 mm Regen bringt dir bei 100 m² Ziegeldach und dem Beiwert 0,8 etwa 800 Liter in die Zisterne. Ein Niederschlag, der für den Rasen kaum zählt, füllt also eine 5-m³-Zisterne zu einem Sechstel.
Wie hoch ist dein Bedarf?
Für Rasen nennt toom 10 bis 15 l/m² bei sandigen Böden und 15 bis 20 l/m² bei lehmigen oder tonigen Böden pro Gabe, für einen etablierten Rasen etwa 15 l/m² ein- bis zweimal pro Woche. Rechnen wir mit 100 m² Rasen und 15 l/m²:
- pro Gabe: 100 m² × 15 l = 1.500 l
- pro Woche bei ein bis zwei Gaben: 1.500 bis 3.000 l
- bei angenommenen 20 trockenen Wochen: 30.000 bis 60.000 l im Jahr
Hinzu kommen Beete, Gemüse und Gehölze, die du separat schätzen musst. In diesem Beispiel liefert das Dach (63.280 l) mehr, als du jährlich brauchst. Dann bestimmt der Bedarf die Größe.
Welche Zisternengröße passt?
Die Bewässerung konzentriert sich auf wenige Wochen, deshalb ist die Faustregel „sechs Prozent vom Jahresbedarf, das entspricht drei Wochen“ aus Merkblättern für gleichmäßigen Verbrauch hier zu knapp. Besser passt ein anderer Ansatz: Du planst einen Vorrat für die Trockenphase ohne Nachfüllung.
- Wochenbedarf in der Trockenphase ausrechnen (im Beispiel 1.500 bis 3.000 l).
- Mit der Zahl der Wochen multiplizieren, die du ohne nennenswerten Regen überbrücken willst, etwa zwei bis drei.
- Prüfen, ob dein Dach das in einer normalen Regenperiode nachliefert. Dafür vergleichst du den Wochenertrag mit dem Verbrauch.
Im Beispiel kommst du bei zwei bis drei Wochen auf etwa 3.000 bis 9.000 l. Das ist eine Planungsgrundlage, keine Garantie, sie ersetzt keine Simulationsberechnung eines Fachplaners. Wer das Wasser auch im Haus nutzen will, sollte die Planung ohnehin einem Fachbetrieb überlassen, siehe Regenwasser im Haus.
| Typ | Vorteil | Nachteil | Eher geeignet für |
|---|---|---|---|
| Regentonne oberirdisch | Einfach, schnell aufgestellt | Klein, Frostschäden, Algen bei Licht | Kleine Beete, Balkon |
| Oberirdischer Tank | Kein Aushub, Pumpe leicht erreichbar | Optik, Frost, UV-Schutz nötig | Mittlere Gärten |
| Erdtank | Frostsicher, dunkel, große Volumen | Aushub, Überlauf, Tiefe | Große Gärten, Rasenbewässerung |
Welches Dach eignet sich?
Das Umweltbundesamt hält Regenwasser zur Gartenbewässerung für hygienisch unbedenklich. Es rät aber ab, Wasser von Kupfer-, Zink- oder Teerpappedächern zu nutzen, weil Metalle oder Biozide ausgespült werden können. Sind nur Rinne und Fallrohr aus Kupfer oder Zink, gilt das meist als unproblematisch. Ziegel und Betondachsteine sind der Regelfall. Beim Gründach liefert die Fläche deutlich weniger Wasser, siehe Beiwert 0,3 oben.
Welche Technik brauchst du außer dem Tank?
- Laubfilter: Filter im Fallrohr oder Zulauf hält Laub und groben Schmutz zurück.
- Beruhigter Zulauf: Der Zulauf sollte das Wasser ruhig einleiten und den Bodensatz nicht aufwirbeln.
- Überlauf: Er muss bei vollem Tank das Wasser kontrolliert ableiten, etwa in die Versickerung oder den Kanal. Ein Überlauf in den Kanal braucht laut Merkblatt des Gesundheitsamts Frankfurt eine Rückstausicherung, die Einleitung in Graben oder Versickerung eine Genehmigung der Unteren Wasserbehörde.
- Pumpe: Für den Garten kommen Tauchdruckpumpen, Gartenpumpen oder bei größeren Anlagen ein Hauswasserwerk infrage. Sie muss zu Förderhöhe, Schlauchlänge und Regnern passen.
- Entnahme: Zapfstellen für Regenwasser sind klar zu kennzeichnen und gegen unbefugte Nutzung zu sichern.
Modelle für den Tank findest du im Vergleich der Zisternenpumpen. Wie du die Pumpe passend wählst, rechnet dir der Pumpenrechner vor, und mit den Begriffen Förderhöhe und Tauchdruckpumpe kannst du Datenblätter besser lesen.
Wie gehst du beim Einbau vor?
- Dach und Bedarf klären: Ertrag und Wochenbedarf wie oben rechnen, Dachmaterial prüfen.
- Behörde und Versorger fragen: Ob Überlauf, Versickerung oder Kanalanschluss genehmigt werden müssen, regeln Kommune und Land. Wer Trinkwasser nachspeisen will, spricht vorher mit dem Wasserversorger.
- Standort wählen: Der Tank gehört nicht unter Fahrwege oder in Staunässe. Bei Erdtanks sind Auftrieb bei hohem Grundwasser und Überfahrbarkeit die Klassiker.
- Tank setzen und anschließen: Zulauf mit Filter, Überlauf mit Rückstausicherung, Leerrohr für das Kabel.
- Pumpe und Entnahme einbauen: Schlauch oder Leitung zur Zapfstelle, Entnahmestelle kennzeichnen.
- Dichtheit und Funktion prüfen: Erst mit Trinkwasser befüllen, dann Pumpe, Schalter und Überlauf durchspielen.
Was ist im Winter zu tun?
Gardena empfiehlt im Winterquartier für das Bewässerungssystem, Regentonnen und Kannen zu leeren, weil Kunststofftonnen bei Frost platzen können, und Pumpen aus Zisternen oder Regentonnen frostsicher zu lagern. Das betrifft vor allem oberirdische Tanks und Tauchpumpen. Bei einem Erdtank im frostfreien Bereich genügt es meist, die Pumpe auszubauen und trocken zu lagern, Schläuche und Armaturen zu entleeren und den Zulauf zu prüfen. Eine genaue Anleitung steht im Artikel Garten winterfest machen.
Wie pflegst du die Zisterne?
Das UBA betont bei Regenwasseranlagen allgemein, dass Beanstandungen oft auf unterlassene Wartung zurückgehen und die Betreiber die Verantwortung tragen. Für eine Gartenzisterne bedeutet das ein überschaubares Pflegeprogramm: Laubfilter im Frühjahr und Herbst reinigen, Zulauf und Überlauf auf Verstopfung prüfen, den Tank auf Schlamm kontrollieren und bei Bedarf entleeren und spülen. Auch die Pumpe verdient einen Blick: Läuft sie hörbar rauer oder zieht Luft, prüfst du Saugleitung und Ansaugfilter.
Typische Fehler bei der Zisternenplanung
- Nur den Jahresertrag betrachten: Entscheidend ist, wann das Wasser fällt und wann du es brauchst. Im Hochsommer regnet es oft am wenigsten.
- Die geneigte Dachfläche ansetzen: Maßgeblich ist die Grundfläche, die der Regen trifft.
- Keinen Überlauf planen: Ein voller Tank braucht einen sicheren Weg für das überschüssige Wasser.
- Pumpe nach Prospekt statt nach Förderhöhe wählen: Maßgeblich sind Förderhöhe, Schlauchlänge und Verbraucher, nicht die Maximalwerte auf der Verpackung.
- Frost vergessen: Pumpe und Leitungen müssen vor dem ersten Frost raus oder entleert werden.
Lohnt sich die Zisterne finanziell?
Das Umweltbundesamt gibt für Regenwassernutzungsanlagen im Haushalt an, dass sich Anschaffung und Wartung erst nach deutlich mehr als zehn Jahren ohne Zinsen amortisieren. Die Aussage bezieht sich auf Anlagen mit Hausnutzung. Für reine Gartenbewässerung ist die Technik einfacher, die Rechnung hängt aber ebenso von deinem Bedarf, dem Wasserpreis und dem Aufwand ab. Ein finanzieller Gewinn ist selten das Hauptargument. Im Sommer fließt Regenwasser dann, wenn der Garten es braucht, und es ist weich, was empfindlichen Pflanzen wie Rhododendren entgegenkommt.
Frag bei deiner Kommune nach, ob eine Abkopplung des Dachs vom Kanal die Niederschlagswassergebühr senkt. Die Stadt Herne weist darauf hin, dass bei vollständiger Abkopplung eine Reduzierung der Abwassergebühr beantragt werden kann. Ob das für dich gilt, regelt deine Satzung.
Für wen ist eine Zisterne nicht sinnvoll?
- Du hast nur wenige Quadratmeter Beet, eine Regentonne reicht.
- Dein Dach besteht aus Kupfer, Zink oder Teerpappe.
- Du hast keinen Platz für Tank, Zulauf und Überlauf oder keinen Untergrund, der versickern kann.
- Du willst das Wasser ohne Fachbetrieb im Haus nutzen.
Eine Alternative bei tiefem Grundwasser und großem Garten ist ein Brunnen im Garten. Und wenn du die Bewässerung insgesamt planen willst, lies Gartenbewässerung planen. Weitere Pumpenthemen findest du im Ratgeber.
Mehr im Magazin: Lies auch, wie du Regenwasser auch im Haus nutzt und wie du die Gartenbewässerung auf die Zisterne abstimmst.
Häufige Fragen
Wie berechne ich, wie viel Regenwasser mein Dach liefert?
Rechne Dachfläche in m² mal Niederschlag in mm mal Abflussbeiwert. Da 1 mm Niederschlag 1 Liter pro Quadratmeter entspricht, erhältst du direkt Liter pro Jahr. Den Niederschlagswert deiner Region findest du beim Deutschen Wetterdienst.
Wie hoch ist der Niederschlag in Deutschland im Mittel?
Nach den Gebietsmitteln des DWD lag der Mittelwert der aktuellen 30-jährigen Klimanormalperiode bei rund 791 mm. Regional schwankt er stark, zum Beispiel rund 570 mm in Sachsen-Anhalt und rund 950 mm in Baden-Württemberg.
Welcher Abflussbeiwert gilt für ein Gründach?
BauNetz Wissen nennt unter Verweis auf die FLL einen Wert von 0,3 bei 10 bis 15 cm Aufbau. Für andere Dächer setzt du den Wert des Herstellers oder Fachplaners an.
Darf ich Regenwasser zum Gießen nutzen?
Ja. Das Umweltbundesamt hält die Verwendung von Regenwasser für die Gartenbewässerung für hygienisch unbedenklich. Ungeeignet sind laut UBA Kupfer-, Zink- und Teerpappedächer, weil Metalle und Biozide ausgespült werden können.
Lohnt sich eine Zisterne finanziell?
Das UBA nennt für Haushaltsanlagen eine Amortisation von deutlich mehr als zehn Jahren ohne Zinsen. Für den Garten hängt es von Bedarf und Wasserpreis ab. Oft zählen Komfort und weiches Gießwasser mehr als die Ersparnis.
Quellen
- Deutscher Wetterdienst: Gebietsmittel der Niederschlagshöhe für Deutschland, Jahreswerte (Open Data); Mittel 1991–2020 daraus berechnet: rund 791 mm (abgerufen am 03.11.2026)
- BauNetz Wissen: Abflussbeiwert (Gründach 0,3 bei 10–15 cm Aufbau, FLL) (abgerufen am 03.11.2026)
- Umweltbundesamt: Regenwassernutzung (abgerufen am 03.11.2026)
- toom: Rasen richtig bewässern (Wassermengen je Bodenart) (abgerufen am 03.11.2026)
- Stadtgesundheitsamt Frankfurt: Merkblatt Regenwasseranlagen (abgerufen am 03.11.2026)
- Stadt Herne: Flyer Gartenbrunnen (abgerufen am 03.11.2026)
- Gemeinde Aidenbach: Hinweise zur Regenwassernutzung (Merkblatt; Hinweis: nennt noch die Paragrafennummerierung der älteren TrinkwV) (abgerufen am 03.11.2026)
* Affiliate-Link: Bei einem Kauf erhalten wir eine Provision, für dich ändert sich der Preis nicht. Mehr dazu im Werbehinweis.





