Kurz beantwortet
Der Vordruck ist der Luftdruck im Membrankessel bei wasserseitig leerem Kessel. Er wird bei gezogenem Netzstecker und entleertem Wasserteil am Kesselventil mit einem Reifenfüller gemessen. Den Sollwert nennt die Anleitung des Geräts, etwa rund 1,5 bar bei AL-KO und Einhell. Ein zu niedriger Vordruck führt zu häufigem Ein- und Ausschalten der Pumpe.
Was ist der Vordruck im Druckkessel?
Der Vordruck ist der Luftdruck auf der Luftseite des Druckkessels, wenn auf der Wasserseite kein Wasser steht. Er wird am Ventil des Kessels mit einem Reifenfüller gemessen. Stimmt er nicht, arbeitet das Luftpolster nicht richtig, und die Pumpe schaltet zu oft ein und aus. Das nennt man Taktung.
Im Membrankessel trennt eine Gummimembran Luft und Wasser. Beim Einströmen von Wasser wird die Luft komprimiert, und der Druck steigt. Dieser Mechanismus funktioniert nur, wenn die Luft auf der Gegenseite den richtigen Startdruck hat.
Welcher Vordruck ist richtig?
Die verbindliche Angabe steht in der Anleitung deines Geräts, oft auch auf dem Typenschild des Kessels. Die Werte unterscheiden sich je nach Modell deutlich:
| Hersteller / Modell | Vordruck laut Anleitung | Einschaltdruck |
|---|---|---|
| AL-KO HW 1000 und HWI 1300 INOX | ca. 1,5 bar | 2,5 bar (ab Werk) |
| Einhell GC-WW 1046 N und GC-WW 1250 NN | ca. 1,5 bar max. | ca. 1,5 bar |
Für beide gilt: Vordruck am Kessel nur bei wasserseitig entleertem Gerät messen. AL-KO verlangt dafür, den Netzstecker zu ziehen, an der Druckleitung einen Verschluss zu öffnen und die Pumpe vollständig zu entleeren. Einhell fordert, die Wasserseite über die Ablassschraube zu entleeren.
Wie wirkt sich der Vordruck auf das nutzbare Wasser aus?
Mit dem Gasgesetz lässt sich zeigen, was falscher Vordruck kostet. Wir rechnen mit einem 20-Liter-Kessel, Einschaltdruck 2,5 bar und Ausschaltdruck 4,0 bar (Überdruck) und setzen den Umgebungsdruck mit rund 1,0 bar an. Das nutzbare Wasser ist die Differenz der Luftvolumina bei Ein- und Ausschaltdruck:
| Vordruck | Luftvolumen beim Einschalten | Luftvolumen beim Ausschalten | Nutzbares Wasser |
|---|---|---|---|
| 0,5 bar | 8,6 l | 6,0 l | ca. 2,6 l |
| 1,0 bar | 11,4 l | 8,0 l | ca. 3,4 l |
| 1,5 bar | 14,3 l | 10,0 l | ca. 4,3 l |
| 2,0 bar | 17,1 l | 12,0 l | ca. 5,1 l |
| 2,4 bar | 19,4 l | 13,6 l | ca. 5,8 l |
Je näher der Vordruck am Einschaltdruck liegt, desto mehr Wasser steht zwischen zwei Pumpenstarts zur Verfügung. Das ist eine Überschlagsrechnung, kein Herstellerwert: Sie vernachlässigt Membranvolumen und Temperatur. Sie zeigt aber, warum ein zu niedriger Vordruck zu Taktung führt. Bei 0,5 bar speichert dieser Kessel nur rund 2,6 l statt 4,3 l. Mit zu hohem Vordruck, etwa über dem Einschaltdruck, passiert das Gegenteil: Die Membran liegt an, und der Kessel nimmt kaum noch Wasser auf.
Woran erkennst du falschen Vordruck?
- Pumpe schaltet nach kurzer Zapfzeit oder schon beim kleinen Zapfen ein und aus. Das Luftpolster ist zu klein.
- Druck fällt beim Zapfen sehr schnell ab. Der Kessel puffert kaum.
- Beim Druckablassen kommt Luft. Wenn Wasser aus dem Luftventil kommt, ist die Membran gerissen.
- Manometer schwankt stark. Auch das deutet auf ein zu kleines Luftpolster hin.
Die Hersteller beschreiben häufiges Schalten ohne Wasserentnahme eher als Leck auf der Druckseite. Schließe diese Ursache zuerst aus, siehe Pumpe reparieren.
Schritt für Schritt: Vordruck prüfen und einstellen
- Pumpe ausschalten und Netzstecker ziehen. Das gilt vor jedem Eingriff.
- Wasserseite entleeren. Öffne einen Zapfhahn und die Ablassschraube, bis der Kessel auf der Wasserseite leer ist. Das Manometer zeigt dann nahezu null.
- Schutzkappe vom Kesselventil abschrauben. Die Kappe sitzt oft seitlich oder oben am Kessel.
- Vordruck mit dem Reifenfüller messen. Nutze ein genaues Manometer. Ein Manometer mit feiner Skala im niedrigen Bereich liest sich genauer als ein grobes.
- Soll-Wert aus der Anleitung nachschlagen. Liegt der Messwert darunter, mit Luftpumpe oder Kompressor auffüllen. Liegt er darüber, Luft am Ventilstift vorsichtig ablassen.
- Kontrollmessen. Wiederhole die Messung, bis der Wert stimmt.
- Kappe aufschrauben und Ablassschraube schließen. Prüfe, ob das Ventil dicht ist, etwa mit Seifenwasser.
- Anlage wieder befüllen und starten. Beobachte, ob die Pumpe nun deutlich seltener schaltet.
Was tun bei defekter Membran?
Kommt beim Betätigen des Luftventils Wasser heraus, ist die Membran gerissen. Bei vielen Hauswasserwerken lässt sich der Kessel als Ersatzteil tauschen. Das geht, wenn Anschluss und Volumen passen. Ein Kessel für Trinkwasserinstallationen muss für diesen Einsatz geeignet sein, bei Zweifeln an Eignung oder Anschluss an das Hausnetz entscheidet ein Fachbetrieb. Beachte bei der Auswahl Nennvolumen, Anschlussgewinde und zulässigen Betriebsdruck. Ein größerer Kessel puffert mehr und senkt die Taktung. Passende Behälter findest du bei den Druckkesseln, Modelle mit Kessel im Hauswasserwerk-Vergleich.
Wie hängen Vordruck, Einschaltdruck und Höhenunterschied zusammen?
Zehn Meter Wassersäule entsprechen rund 1 bar. Steht dein Hauswasserwerk im Keller und der höchste Zapfhahn 8 m darüber, braucht allein das Anheben des Wassers rund 0,8 bar. Der Einschaltdruck muss deutlich darüber liegen, damit am obersten Hahn noch genug Druck ankommt. Das ist die Logik hinter der Förderhöhe in den Datenblättern: Eine Pumpe mit 5 bar Maximaldruck und 50 m Förderhöhe, wie sie Einhell für das GC-WW 1250 NN angibt, schafft theoretisch rund 50 m Höhenunterschied. In der Praxis gehen Reibung und Armaturen ab, außerdem soll am Hahn noch Wasser mit brauchbarem Druck ankommen.
Wichtig: Den Vordruck legst du immer in Bezug auf den eingestellten Einschaltdruck fest. Wer am Druckschalter einen höheren Einschaltdruck wählt, muss auch den Vordruck anpassen, sonst stimmt das Verhältnis nicht mehr. Die Schaltpunkte am Druckschalter einzustellen bedeutet, ein Gerät unter Netzspannung zu öffnen. Überlass das einer Elektrofachkraft und halte dich an die Werksangaben.
Gilt das auch für Hauswasserautomaten?
Viele Hauswasserautomaten haben keinen großen Druckkessel und steuern die Pumpe elektronisch. In der Gardena-Gebrauchsanweisung für die LCD-Automaten ist von einem Vordruck keine Rede, genannt wird nur ein Einschaltdruck von 2,0 bar. Wenn du an einem solchen Gerät häufiges Schalten beobachtest, liegt die Ursache laut Gardena eher an einem Leck auf der Druckseite, an Schmutz am Impeller des Trockenlaufschutzes oder an einem sehr kleinen Durchfluss unter 90 l/h. Willst du die Pufferwirkung eines Kessels nachrüsten, geht das mit einem zusätzlichen Membrankessel nur nach Rücksprache mit dem Hersteller des Automaten.
Vordruck nach dem Winter und nach Standzeiten
Wer die Anlage im Winter entleert, sollte den Vordruck im Frühjahr kontrollieren. Einhell verlangt bei Frostgefahr, Pumpen vollständig zu entleeren und frostfrei zu lagern. Gefrorenes Restwasser kann Membran und Kessel beschädigen. Zeigt der Kessel nach dem Winter keinen Vordruck mehr, prüfe zuerst das Ventil auf Dichtheit und erst dann die Membran.
Wie groß sollte der Kessel sein?
Die Faustformel lautet: Je größer der Kessel, desto weniger Starts pro Stunde. Hersteller bieten Kessel mit etwa 19 bis 24 l bei Hauswasserwerken an, größere Behälter mit 50 l für Druckerhöhungsanlagen. Wenn dich das Pumpengeräusch stört, hilft ein größerer Kessel ebenso wie eine leise Pumpe, siehe den Vergleich leiser Hauswasserwerke. Wie viel Fördermenge und Druck du brauchst, ermittelst du im Pumpenrechner.
Typische Fehler beim Vordruck
- Unter Druck messen. Dann misst du Wasserdruck, nicht Luftdruck.
- Vordruck über dem Einschaltdruck wählen. Das nimmt dem Kessel den Puffer.
- Nach dem Entleeren nicht kontrollieren. Nach längerer Standzeit oder Frost sinkt der Druck.
- Ventil nicht abdichten. Eine undichte Kappe lässt den Druck langsam entweichen.
- Zu viel Druck am Kompressor. Fülle langsam und kontrolliere mit dem Manometer, nicht nach Gefühl.
Kurz zusammengefasst
Miss den Vordruck nur bei wasserseitig leerem Kessel, halte dich an den Wert deiner Anleitung und prüfe ihn einmal im Jahr. Liegt er sichtbar zu niedrig, speichert der Kessel weniger Wasser und die Pumpe taktet. Kommt Wasser aus dem Luftventil, ist die Membran defekt.
Weiterlesen
Wie Kessel, Pumpe und Schalter zusammenspielen, erklärt Wie funktioniert ein Hauswasserwerk?. Wenn die Pumpe trotz richtigem Vordruck takten sollte, hilft Pumpe reparieren. Die physikalischen Grundlagen der Saugseite findest du in Ansaughöhe erklärt.
Häufige Fragen
Wie oft sollte ich den Vordruck prüfen?
Einmal im Jahr genügt in der Regel. Prüfe außerdem nach dem Entleeren im Winter und wenn die Pumpe plötzlich häufiger schaltet. Messe immer bei wasserseitig drucklosem Kessel.
Welcher Vordruck ist der richtige?
Der Wert aus der Anleitung deines Geräts gilt. AL-KO nennt rund 1,5 bar, Einhell maximal 1,5 bar. Bei klassischen Anlagen liegt der Vordruck etwas unter dem Einschaltdruck.
Kann ich den Kessel mit der Fahrradpumpe befüllen?
Ja, wenn der benötigte Druck im Bereich der Pumpe liegt. Miss den Druck mit einem genauen Manometer und füll in kleinen Schritten. Die Membran darf nicht überdehnt werden.
Was bedeutet Wasser aus dem Luftventil?
Die Membran ist gerissen, Wasser gelangt auf die Luftseite. Der Kessel puffert dann nicht mehr. Meist hilft nur der Tausch des Kessels oder der Membran.
Quellen
- AL-KO Bedienungsanleitung Hauswasserwerk HW 1000 / HWI 1300 INOX (abgerufen am 03.11.2026)
- Einhell Bedienungsanleitung Hauswasserwerke GC-WW 1046 N / GC-WW 1250 NN (abgerufen am 03.11.2026)
- Gardena Gebrauchsanweisung Hauswasserautomaten 4000/4 LCD, 4000/5 LCD, 5000/5 LCD, 6000/5 Inox LCD (abgerufen am 03.11.2026)
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